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23.08.2010
13:04

Piz Badile - Nordkante

Eigentlich sollte es ja die Cassin werden… vielleicht war das auch schon das Einzige, was an diesem Wochenende nicht perfekt war. Aber der Reihe nach. Seit wir vor ca. 9 Jahren das erste Mal vom Piz Badile und seiner Nordkante gehört hatten, wollten wir an diesen Berg. Zuerst an eben diese Nordkante, später war dann die Via Cassin in der Nord-Ostwand unser großer Traum. Jahr für Jahr versuchten wir jeweils im Sommer ins Bergell zu kommen und die Route zu klettern. Und jedes Jahr kam irgendwas dazwischen. Auch dieses Jahr sah es nach zweieinhalb verregneten Wochen wieder so aus, als wäre es das gewesen. Denn was bei uns in Form von Nass vom Himmel kam, fiel am Badile bereits in seiner gefrorenen Form - will heissen als Schnee. Dann endlich gutes Wetter in Sicht. Mit gemischten Gefühlen machten wir uns am Freitag in aller Früh über Bad Waldsee auf den Weg ins Bergell. Ein Telefonat am Vortag mit dem Hüttenwirt der Sasc-Furä Hütte ließ nichts Gutes hoffen: Betten gab es keine mehr und die Tour sollte nass sein. Nun, nach einem Ausweichziel mussten wir nicht lange suchen, schließlich blieb ja noch die Nordkante, welche wir auch bei nässeren Bedingungen geklettert wären.

 

 

 

 

Schon von der Maloja-Pass-Straße aus kann man die wilden Granitzacken der Sciora-Gruppe sehen. Nachdem die Topos schon seit 6 Jahren bei mir daheim rumlagen konnte ich fast jeden Zacken benennen, ohne jemals in der Ecke des Bergell gewesen zu sein. Neben viel Granit sahen wir aber vor allem eins: Schnee… Guten Mutes machten wir uns an den steilen Aufstieg vom Ende der Mautstraße hinauf zur Sasc Furä Hütte. Immer steiler geht es zuerst über einen Bach und dann im Wald in Serpentinen nach oben. Kaum legt sich der Weg wieder etwas zurück, ist man auch schon an der malerischen Hütte hoch über Bondo angekommen. Sehr gerne wären wir dort geblieben, aber die Aussicht auf ein Bett war quasi gleich Null und das Biwak-Zeug hatten wir ja eh schon dabei. David aus Neuseeland, der auf der Hütte arbeitet, berichtete uns von seiner Begehung der Cassin und dass sie auch dort etwas nass war und dass sie das wohl auch im Moment sein wird. Uns verlässt mehr und mehr der Mut. Nach einer guten Stunde Rast gehen wir weiter in Richtung Biwakplatz. Das Wetter sieht zu diesem Zeitpunkt so aus, als würde es jeden Moment aus Kübeln gießen. Wer die wilden Wolkenformationen zur Mittagszeit im Bergell nicht kennt, glaubt fest daran, dass jeden Moment die Welt zusammenbricht, wenn er sowas sieht.

 

 

 

 

Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir den ersten guten überdachten Biwakplatz. Geräumig für mindestens 3 Leute. Wir lassen unsere Rucksäcke dort und gehen weiter zum Einstieg der Nordkante. Trotz dichter werdendem Nebel hoffen wir wenigstens einen Blick in die Nordostwand werfen zu können. Nach einer weiteren halben Stunde, in der wir immer wieder anhalten und die atemberaubende Landschaft um uns herum genießen, erreichen wir den kleinen Sattel, von dem aus es in Richtung Einstieg der Nordwandrouten geht. Schon der Weg dort hinunter wirkt im Nebel so gespenstisch, dass wir immer kleiner werden. Angesichts der 800m hohen Wand kommt man sich sowieso schon wie ein Zwerg vor, das bedrohliche Wetter tut sein übriges dazu. Wir sehen einige Seilschaften in der Nachbartour "Another Day in Paradise" - heute war's wohl eher "Another Day in the Clous". Das Abseilen über die trockenen Platten sieht vielversprechend aus. Dort wo wir allerdings den Verlauf der Cassin vermuten meinen wir einen größeren Wasserfall in der Wand ausmachen zu können. Am nächsten Tag erfahren wir, dass die Route rechts daneben verlief. Das konnten wir aber am Abend davor nicht ahnen, so entscheiden wir uns nach langem Hin- und Her wohl doch die Kante zu klettern.

 

 

 

 

Immerhin finden wir 10 Minuten unterhalb des Einstiegs in die Nordkante einen schönen Platz zum Biwakieren und holen nach kurzer Pause unsere Rucksäcke nach oben. Biwakplätze gibt es zwischen Hütte und Nordkante wie Sand am Meer. Viel schwerer ist es, an Wasser zu kommen. Es hatte noch einzelne Schneefelder - wir aber hatten keinen Kocher - und das, was aus den Schneefeldern abgelaufen ist, reichte nicht wirklich um aufgefangen werden zu können. Ein paar Meter unterhalb unseres Platzes lief Wasser über einen Platte und wir konnten es in unsere Flaschen "umlenken".

 

Inzwischen haben sich die Wolken verzogen und wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang weit über den Dörfern an der Passstrasse. Als das letzte Sonnenlicht langsam verschwindet und im Tal die Licht der Häuser sichtbar werden, kuscheln wir uns in die Schlafsäcke und verbringen eine laue Nacht unter sternklarem Himmel.


Mitten in der Nacht bemerken wir Stirnlampen-Licht an der Nordkante. Jetzt fällt uns wieder ein, dass wir mittags noch eine sehr langsame Seilschaft bemerkt hatten, die um 6 Uhr abends erst im unteren Drittel der Kante waren und eine weitere Seilschaft von oben abgeseilt kam. Eine von beiden Seilschaften war wohl noch in der Wand und verbrachte dort eine glücklicherweise nicht zu kalte Nacht.

 

 

 

 

Der nächste Morgen ist dann doch kalt. Nur langsam kommen wir um kurz vor vier Uhr aus den Schlafsäcken, packen unsere Sachen zusammen und kraxeln in stockdunkler Nacht über 3er Gelände hinauf zum Einstieg der Tour. Im Sattel angekommen gehen wir noch ca. 50m ohne Seil weiter in Richtung vermutetem Einstieg (wir sehen immer noch nur das, was im Schein unserer Stirnlampen auftaucht). An der ersten steileren Stelle ziehen wir die Kletterschuhe an und binden uns ein. Wir wollen am laufenden Seil gehen und binden das 60m Seil dazu auf ca. 40m Länge ab. Dies ermöglicht uns, ohne viel Zeit für Standplätze zu verlieren parallel zu klettern. Schnell finden wir auch in totaler Dunkelheit den ersten Stand in Form eines Munirings, legen einen TiBloc und gehen weiter. Gute 3 Seillängen schaffen wir so am Stück, bevor die Sonne langsam die Stirnlampen unnötig macht. Am eigentlichen Grat angekommen dämmert es schon leicht und wir können weitere Seilschaften sehen, die nach und nach in die Tour einsteigen. Bis wir am Gipfel ankommen werden es etwa 15 - 20 Seilschaften sein, die sich wie Perlen auf einer Schnur entlang der Kante aufreihen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter weg… ca. 20 Seillängen trennen uns bei Tagesanbruch noch vom Gipfel.

 

 

 

 

Wir behalten das Gehen am langen Seil bis zur ersten schweren Stelle unterhalb des sogenannten Ziegenrückens bei und überklettern jeweils ca. 3 - 4 Standplätze "am Stück". Trotz allem werden wir von zwei italienischen Seilschaften eingeholt, die scheinbar gar nicht sichern, sondern das Seil mehr oder weniger zum Spaß mittragen… gerne lassen wir diese passieren, während wir eine längere Pause machen und das verpasste Frühstück nachholen.

 

 

 

 

Die einzige "schwere" Stelle der Tour ist ein etwas kleingriffige 5 er Platte, in der im Abstand von eineinhalb Meter jeweils ein Haken steckt. Hier werden wir von einem Bergführer überholt, der zwei Kunden nachzieht. Im weiteren Verlauf bremst uns diese Seilschaft stark aus, weil wir nicht mehr vernünftig fliegend gehen können und immer wieder lange warten müssen. An der Stelle, an der die Route die Kante verlässt und nach rechts durch eine Verschneidung quert, kommt es zum Stau durch eine Seilschaft, die in er Wand biwakiert hat und nur sehr langsam vorankommt. Es kommt zu wilden Überhol- und Ineinanderklettermanövern und die Wartezeit scheint nicht enden zu wollen. Erst nachdem wir diese Seilschaft hinter uns lassen können, geht es am fliegenden Seil in einem Rutsch bis zum Gipfel. Inzwischen haben wir uns so gut an das Gelände gewöhnt, dass wir quasi ohne Zwischensicherungen klettern. Lediglich einen TiBloc pro 40m versuchen wir zu legen, um im Falle eines Sturzes des Nachsteigers nicht den Vorsteiger aus der Wand zu reissen.

 

 

 

 

Nach 6 Stunden und 1200m Kletterstrecke kommen wir gegen 12 Uhr gut gelaunt am Gipfel des Badile an. Das Wetter hat die ganze Zeit gehalten, erst nach einer halben Stunde Gipfelpause ziehen einzelne Wolken auf. Wir lassen es jetzt sehr gemütlich angehen und verbringen über eine Stunde auf dem Gipfel. Immer wieder schweift der Blick über die umliegenden Gipfel… Cengalo, Gemelli, Ago di Sciora… weit unter uns liegt auf der einen Seite die Sasc-Furä Hütte, auf der anderen Seite das Rifugio Gianetti. Auch die Bernina und St. Moritz sieht man immer wieder durch die dichter werdenden Mittagswolken. Erst nachdem ca. 6 weitere Seilschaften den Gipfel erreichen, machen wir uns langsam an den Abstieg. Dieser sollte noch einige unangenehme Überraschungen für uns bereit halten.

 

 

 

 

Zuerst folgen wir einem markanten Pfad, immer wieder durch rutschigen Schnee, der mit unseren leichten Zustiegsschuhen alles andere als angenehm ist. Dann benutzen wir auf der in Abstiegsrichtung rechten Seite drei Muniringe an denen wir uns jeweils zuerst ablassen und dann abseilen. So dürfte es weitergehen. Es folgt wieder ein kurzes Stück Fußabstieg, dann bekommen wir nochmals zwei Muniringe zu Gesicht, an denen wir ebenfalls abseilen. Am Ende der zweiten Abseilstrecke machen wir wohl den entscheidenden Fehler und queren erst zu weit unten nach rechts. Steinmänner und rote Farbe machen uns aber glaubend, dass dies der richtige Weg sei. Nach einigen Metern Querung und einem kurzen Abstieg in einer Verschneidung durchquert man eine Art Tunnel, das durch einen liegenden Block gebildet wird. Danach geht es sehr steil nach unten (zu steil zum Abklettern). Am Block sind einige Schlingen verknotet - anscheinend sind wir nicht die ersten, denen an dieser Stelle nach Abseilen zumute ist. Zuerst nehmen wir einen einzelnen Seilstrang doppelt und hoffen, dass es danach wieder zu Fuß weitergeht. Das reicht nur bis zu einem sehr fragwürdigen Stand an einem gebrochenen Block, der mit einer 10m langen Repschnur an einem dritten Haken hintersichert ist. Hier wollen wir nicht weiter! Wir nehmen das zweite Halbseil dazu und seilen weiter ab in eine steile Schlucht, deren Ende wir noch nicht einsehen. Hier hängt alles voll mit Seilen und Hilfsständen. Scheinbar hat schon so manche Seilschaft hier improvisieren müssen. Unser letzter Abseilstand besteht aus zwei miserablen Haken und einem dahintergeschaltenen Keil. Wir hintersichern den ersten Mann noch mit einem Friend, dann geht's die letzten 40m aufs Schneefeld nach unten. Insgesamt eine sehr nervenaufreibende Sache. Es bleibt die Frage, warum man einen so vielbegangenen Abstieg wie diesen nicht vernünftig mit Abseilringen ausstattet beziehungsweise so schlecht kennzeichnet (Laut Göbses Informationen wäre es oberhalb des kleinen Blocks, unter dem wir durchgekrabbelt sind nach rechts weggegangen bis zu einem Kreuz, von dem aus man bequem abseilen kann. Wer also wie wir bei dem Tunnel rauskommt weiß, dass er zu weit unten ist).

 

 

 

 

Der Abstieg zum Rifugio Gianetti ist zwar durch die großen Granitblöcke etwas mühsam aber einfach. Wir erreichen die Hütte gegen 17 Uhr und machen abermals großzügig Pause. Erst gegen halb 7 gehen wir weiter in Richtung Val Masino. Ein sehr schöner Weg, erst durch die Wiesen unterhalb der Hütte, dann an einem Bach entlang und schließlich durch einen Bergwald führt uns nach Bagni del Masino. Hier gönnen wir uns in einem schicken Restaurant eine Pizza und Mineralwasser. Die Nacht verbringen wir auf einer Wiese am Ortsausgang unter freiem Himmel. Meine größte Sorge ist die Vorstellung, dass der Bauer früh am Morgen die Kühe auf diese Wiese lässt - dem war nicht so :-)

 

 

 

Die Rückreise gestaltet sich kniffliger als geplant. Den ersten Bus erreichen wir um 9:30 noch nach Plan. In Morbegna ist allerdings Schienenersatzverkehr und bis wir das kapieren (das Schild war freilich auf italienisch), war der erste Bus auch schon weg. Der zweite kommt erst zwei Stunden später. Wir gönnen uns ein ausgiebiges Frühstück. In Colico angekommen fährt der Zug nach Chiavenna am Sonntag erst eineinhalb Stunden später. Eine Stunde lang versuchen wir ein Auto anzuhalten - keine Chance. Der erst Anschluss nach Plan klappt für uns in Chiavenna, der Bus kommt ca. 20min nach dem Zug und soll uns in Richtung Bondo bringen. Bondo kennt allerdings der Busfahrer nicht. Mit Hilfe der Landkarte erklären wir ihm, wo wir gerne aussteigen würden. Unser Reisepech endet glücklich, als wir am Parkplatz der Mautstraße ankommen und zwei Engländer gerade nach oben wollen. Wir bezahlen ihnen die Hälfte der Maut, dafür darf Philipp mit und steht ca. 20min später mit unserem Auto vor mir. Die Heimreise wird lang und anstrengend, erst um 22:30 erreichen wir schließlich Stuttgart.

 

Es war ein wunderschönes Wochenende mit vielen Impressionen. Noch im Auto haben wir daran zu knabbern, dass es "nur" die Nordkante war. Aber wir kommen wieder - versprochen!

 

 

 

 

Zur Nordkante ist zu sagen, dass es wohl in den Alpen wenig beeindruckendere Klettereien in diesem Schwierigkeitsgrad gibt. Die landschaftliche Lage ist vermutlich einmalig und man kann sich nicht sattsehen. Wer im 5. Grad solide unterwegs ist, sollte klettertechnisch keine Schwierigkeiten haben. Man kann sich auch auf der Kante böse verklettern und die Wegfindung ist nicht schwer aber kann einen ziemlich ausbremsen. Ein Biwak in der Kante ist ganz lustig, solange kein Wettersturz kommt, dann hat man einfach verloren. Das Gehen am langen Seil bringt einen enormen Geschwindigkeitsgewinn, wenn man weiß, wie's geht. Seilhänger und Seilzug sprechen dagegen und können mindestens soviel Zeit kosten, wie normal zu sichern, wenn man mit dieser Sicherungstechnik nicht vertraut ist. Man sollte das vorher ausgiebig geübt haben. Wenn man ein Halbseil benutzt, muss ein Strang etwas kürzer aufgenommen werden als der andere und der TiBloc in den kürzeren Strang eingehängt werden. Ansonsten kann es trotz TiBloc dazu kommen, dass der stürzende Nachsteiger den Vorsteiger aus der Wand reisst. Die Kletterzeit ist mit 6 - 10h einzuplanen, je nach Andrang. Der Abstieg zur Gianetti Hütte ist mit 3h Stunden nicht zu knapp bemessen. Ein Verhauer lässt das schnell mal länger werden. Von der Gianetti Hütte runter ins Tal sind es nochmal gute 3h, wenn man nicht rennt.

28.06.2010
16:33

Motörhead

Am vergangenen Wochenende hat wurde ich gefragt, ob ich eine Wunschliste an Touren hätte, die ich gerne noch machen möchte. Irgendwo in meinem Kopf gibt es natürlich eine solche Liste und die "Motörhead" am Grimsel war sicherlich eine Tour, die auf dieser Liste ganz weit oben stand. Gleich nach der Rückkehr von Sardinien wollten wir (Göbse und ich) diese Tour klettern, dieses Wochenende sollte es dann soweit sein.

 

Die Tour selber befindet sich im "Eldorado", einem Klettergebiet am westlichen Ende des Grimsel-Stausees, etwas abgelegen vom Trubel im Tal selbst. Eingebohrt wurde sie von den Remy Brüdern, wie so mancher Klassiker in den Alpen. Füher war sie berüchtigt dafür, weniger Haken als Seillängen vorzuweisen (die Tour hat 14 Längen!). Wie heißt es so schön im Plaisir-Führer: "Wer die Größen seiner Friends nicht auswendig kennt, sollte gar nicht erst einsteigen." Diese Meinung kann ich voll und ganz bestätigen.

 

Nun gut. Wir sind also gegen 15:30 in Karlsruhe losgefahren und waren irgendwann um 19:30 am Grimselhospiz. Dort haben wir erst einmal Materialsortage betrieben. Vom Grimselhospiz läuft man ca. 1,5h bis zum Einstieg. Wegen der Länge der Tour entschieden wir uns darunter zu biwakieren. Darum sollten dir Rucksäcke so leicht wie möglich sein.

 

 

Oberhalb des Brünig Sees
Grimsel Hospiz kurz unterhalb der Grimselpass-Höhe
Materialsortage
Tunnel auf dem Weg zum Eldorado
Kleine Dusche auf dem Weg zum Biwak
Felix demonstriert die Heizleistung seines Taschendrachens
Biwak unterm Sternenhimmel

 

 

Zum Material gleich vorneweg: Wir hatten pro Seilschaft mindestens einen kompletten Satz Camalots dabei von 0.3 bis 3.0. Vor allem die Größen 0.3 bis 0.5 waren in den vielen Verschneidungen und Rissen ständig im Einsatz. Da wir zwei Seilschaften bilden wollten, entschieden wir uns dafür, statt den Halbseilen jeweils ein 70m Einfachseil mitzunehmen um weniger tragen zu müssen und beim Abseilen schneller voranzukommen. Auch das war eine gute Entscheidung. Wir hatten keinen einzigen Seilverhau und waren mit 9 mal Abseilen wieder unten - dazu später mehr. Keile kann man daheim lassen, wenn man genügend Friends am Gurt hat. 10 Exen haben gereicht. Wer abseilen möchte, sollte ein paar Kettenglieder mitnehmen, da nicht alle Stände zum Abseilen eingerichtet sind, sowie ein paar Meter Repschnurmaterial. Es wird fast durchgehend auf Reibung getreten, dies vielleicht noch als Hinweis für die Wahl der Kletterschuhe!

 

 

Der Einstieg ist mit dem Tourennamen beschriftet und befindet sich rechts von einem gut sichtbaren Überhang
Erste 6a Seillänge - Piazriss vom Feinsten
Markus am Ausstieg des Piazrisses

 

 

Nach einer lauschigen Biwaknacht auf einer Sandbank im abgelassenen Grimselstausse sind wir gegen 7:20 in die Tour eingestiegen. Sie war trocken und lag zu dieser Zeit noch gut im Schatten. Die erste Länge verlangt mit 4a noch nicht allzuviel vom Kletterer, macht aber mit 1 Haken gleich mal klar, dass die Absicherung sehr spärlich vorhanden ist. Den Stand bezieht man rechts unterhalb eines großen überhängenden Blocks. Die zweite Länge macht mit einer glatten 5c Platte mit zwei Haken Lust auf mehr, unsere Vorsteiger haben diese Stelle allerdings links mit etwa 5a umgangen. Zur Sache geht es erstmals nach dieser kurzen Platte, wo ein senkrechter Piazriss ohne Haken überwunden werden muss, um an den zweiten Stand unterhalb der 6a-Verschneidung zu gelangen. Diese stellt dann auch die erste Schlüssellänge dar. Der Riss ist gut zu greifen, wird aber nach oben immer steiler und wer bis jetzt noch geschlafen hat, ist spätestens jetzt wach. Der erste Haken ist quasi schon am Ausstieg bevor es dann über die eigentlich Schlüsselstelle dieser Länge über eine glatte Platte zum nächsten Stand geht. Wer hier bereits Probleme hat, sollte lieber umkehren!

 

 

Es folgen zwei leichtere, aber schöne Längen (4a und 5a), bevor es mit 5c zuerst über eine Wandstelle (hier den rechten der beiden Risse klettern!) in die lange Verschneidung geht. Der obere Teil dieser Länge ist mit Sicherheit eine der schönsten Stellen in der Tour: Eine traumhafte Rissverschneidung, die gerade noch flach genug und griffig genug ist, um einfach nur Spaß zu machen. Danach folgt mit einer weiteren 6a Länge mit 2 Haken die nächste Schlüssellänge der Tour. Die Verschneidung wird hier runder und das Anbringen der Sicherungsmittel kostet nicht nur Kraft, sondern auch Nerven, weil man von oben nicht mehr in den Riss "hineinsieht". Der folgende Stand, unterhalb der 6a+ Länge hat uns einen gewaltigen Verhauer eingebracht: Es geht nicht gerade aus weiter, sondern sofort vom Stand weg nach rechts hoch, wo man einen gestürzten Keil und einen Haken sieht. Gerade aus ist 7a+ und wirklich nicht zu empfehlen!!!

 

 

Der Blick aus der Tour - die hohen Berner Alpen
Markus im Vorstieg in der 5. Seillänge (5a)
Felix im Stand nach der wunderschönen 5c Seillänge - hier finden sich die schönsten Piaz-Stellen
Schorsch in derselben Seillänge im Vorstieg
Langsam kommt der Tiefblick (immernoch 5. Seillänge)
Der kleine 0.3 Cam passt (fast) überall unter die feinen Piazrisse. Wer damit nicht 100% umgehen kann, sollte nicht einsteigen!
Schorsch sichtlich begeistert beim Piazzen
Steil genug, dass es noch Spaß macht

 

 

Die 6a+ ist eine Stelle, vom Stand weg, wer hier weit unten bleibt (auf Höhe des Hakens) und nach rechts quert, macht sich hier das Leben leichter. Die Länge ist lang und führt von dem kleinen Dächlein rechts weiter in einen etwas ekligen Riss, der schwer abzusichern ist zu einem Stand auf einem kleinen Sporn. Danach folgen zwei leichte Längen (4b und 5b) zu einem sehr bequemen Stand unterhalb der 3 Ausstiegslängen. Hier lässt sich gemütlich rasten und eine Pause machen. Wer's besser macht, wie wir, der hat hier noch genug zu trinken (wir hatten pro Nase nur 0,75l dabei, was für die hohen Temperaturen und die viele Sonne viel zu wenig war).

 

 

Ausnahmsweise mal ein Bild von mir, am Stand nach der 7. Seillänge
Markus piazzt sich durch die runden Risse der 7. Seillänge
Nach der 9. Seillänge - hier wird es mal kurz plattig
Immer wieder überwältigend: Das Panorama. Links kommt das Finsteraarhorn raus, rechts das Lauteraarhorn

 

 

Die letzten 3 Längen haben es dann noch mal in sich. Die Schlüsselstelle der ersten 5c befindet sich oberhalb der gut sichtbaren Schuppe, wenn man diese verlassen muss um über eine glatte Platte zum Stand unterhalb der s-förmigen Rissverschneidung zu kommen. Schon darunter bietet die Schuppe nicht die besten Griffe um die steile Stelle zu überwinden und verlangt gutes Anstehen und beherztes Zupacken. Wir waren uns alle einig, dass in der folgenden, 12. Seillänge die eigentliche Schlüsselstelle wartet: Der 6a Riss wird nach oben hin so klein, dass nur noch die Fingerkuppen hineinpassen. Zwar klettert man die eigentliche Schlüsselstelle direkt am Haken, jedoch war zumindest bei mir der Saft so dahin, dass ich die Stelle im Nachstieg nicht direkt klettern konnte. Fehlende Tritte und schlechte Reibung tun hier ihr übriges dazu. Nach dem kleinen Dächlein hat man die Wahl zwischen sehr glatten Platten oder kleinen Leisten und Untergriffschuppen auf dem Weg zum vorletzten Stand. Auch die abschließende 5c fordert mit schlechter Absicherung und offenen Rissen nochmal konzentriertes klettern, bevor man schließlich nach 14. Seillängen über eine 4er Platte zum Plateau aussteigt.

 

 

Einblick in die 3 Ausstiegslängen. Die Tour verläuft links unterhalb des S-förmigen Risses ein Drittel von links
Schorsch im plattigen Gelände
Ich am Ende der 10. Seillänge - 5b Platte
Felix macht es sich am Stand bequem
Schorsch im Nachstieg in der 10. Länge
Stand mit 7 Mann - nicht immer ganz übersichtlich
Markus rennt durch die leichten Risse am Ende der 10. Länge
Andere Seilschaft in der 4. letzten Länge - 5c. Die Tour verläuft über die markante Schuppe rechts im Bild und quert dann nach links in den markanten Riss
Noch einmal Panorama mit anderer Seilschaft in der "Septumania"
Schorsch in der letzten 6a Länge... jetzt wird's entspannter

 

 

Wie bereits erwähnt, haben wir uns entschieden, über die Tour abzuseilen. Die ersten beiden Längen sind wir dabei über den "Hirnriss" abgeseilt und konnten so mit insgesamt 9 mal Abseilen wieder unten ankommen. Sicher von Vorteil ist es dabei, den ersten Mann jeweils abzulassen, da die vielen Risse und der rauhe Granit sicher dafür sorgen, dass man mit einem "geworfenen" Seil viel Spaß hat. Wir schafften die 450m nach unten ohne einen Seilklemmer und ohne Knoten. Nach ca. 2h waren wir wieder unten.

 

Bleibt da noch die Sache mit dem Rucksack... wir hatten pro Seilschaft einen Rucksack dabei, der jeweils auf dem Rücken des Nachsteigers war. Das hat den Vorteil, dass der Vorsteiger den Rücken frei hat, der Nachsteiger hat dafür das doppelte Gepäck. Ich habe lange hin- und herüberlegt, ob ich meine große Kamera mitnehmen soll. Die Konstellation einer 4er Seilschaft hat mich aber dazu bewogen, die Spiegelreflex einzupacken, was gleich nochmal 1,6kg mehr im Rucksack waren. Die Bilder sind zwar (wie ich finde) sehr schön geworden, allerdings wäre aus jetziger Sicht eine weitere Flasche Wasser für das Wohlbefinden in der Tour sicherlich angenehmer gewesen... ich hoffe, die Bilder gefallen euch wenigstens und bereue es nicht, die Kamera dabei gehabt zu haben.

 

Als Fazit kann man sagen, dass diese Tour ihrem Ruf voll und ganz gerecht wird. Die Kletterei ist einmalig schön, liegt in traumhafter Kulisse und bietet abwechslungsreiches Klettern, wenn auch der Schwerpunkt ganz klar auf Piaz-Rissen liegt. Die Länge sollte nicht unterschätzt werden. Wir haben insgesamt etwa 10h für die Kletterei benötigt, nahmen uns allerdings viel Zeit, um Fotos zu machen und haben auch einmal eine Seilschaft zwischendrin abseilen lassen und eine andere überholen lassen. Alles in allem eine Traumtour - wenn man die Schwierigkeiten beherrscht. Die Tour ist nicht zu vergleichen mit der "Fair Hands Line" - was im Kletterführer etwa gleichschwer bewertet ist, wird durch die Länge und die sehr spärliche Absicherung noch einmal deutlich schwerer!

 

 

Nach 14 Seillängen endlich geschafft: Am letzten Stand der Motörhead
Markus rennt die 4er Platte hoch
Etwas Erschöfpung war uns allen ins Gesicht geschrieben
Schorschi kommt über die letzte Platte geschlichen
Auch bei ihm hat die Tour ein bisschen gezehrt
Gruppenbild (ohne Dame...)
Markus nach dem 2h Abseilmarathon
Meine Wenigkeit nach einer kräftigen Ladung Wasser (wir hatten viel zu wenig dabei...)
Letztes Vesper am Biwakplatz, danach noch der lange Hatscher zurück zum Grimselhospiz
20.06.2010
00:42

Endlich: Eigene Hebebühne in der DAV Kletterhalle Karlsruhe

Für alle Bauarbeiter (bei denen ich gestern nach zweimaligem Warten im Bürgerbüro Süd aufgenommen wurde) war die gestrige Nacht in der Karlsruher Kletterhalle etwas ganz Besonderes: Die neue Hebebühne wurde eingeweiht. Zusammen mit Schorsch, Bene und Philipp hatte ich die Ehre, die ersten beiden Touren von der Bühne aus zu schrauben... Ab sofort verspricht die Bühne schnelleres und unkomplizierteres Umschrauben und vor allem weniger Stress als auf einem Brett sitzend.

 

Schorsch und Philipp haben eine wohl etwas zu herzhaft gedübelte 8- geschraubt (weiß) (Schorsch hat's im zweiten Durchgang gefixt). Bene und ich haben eine - wie wir meinen - recht nette 6- geschraubt (gelb). Kritik und Anregung ist wie immer willkommen.

 

Hier die erste Bilder von der Aktion.

 

 

Der "Dino 125T" ist der neue Star der Kletterhalle
Philipp beim Aussuchen der Griffe
Schorsch und Philipp dübeln die erste Tour
Bene bereitet sich mental aufs Schrauben vor
Schorschi versucht sich in seiner Neukreation...
... landet aber erst mal im Seil (da war's einfach noch keine 8-)
17.06.2010
01:20

A new star is born...

Als ich 2003 in Arco das erste mal von Black Diamond Camalots gehört habe und der Nachbar am Zeltplatz diese zum "Schnäppchenpreis" von 250 Euro für 4 Stück erworben hatte, war mein größter Wunsch auch ein paar von diesen Wunderwerken des Kletter-Schotters zu besitzen. Ein paar Wochen später durfte ich dann die ersten 4 Cams mein Eigen nennen (0.5 - 0.75 - 1.0 - 2.0). Diese waren noch aus der "alten" Black Diamond Serie mit den geriffelten Griffen ohne Drahtschlaufe. Damals dachte ich, nichts und niemand könne bessere Friends bauen und kaufte mir kurz drauf noch die beiden kleinen Größen (0.3 - 0.4). Wer ein bisschen was für Mechanik und Design übrig hatte musste diese Dinger einfach nur geil finden.

 

Einige Jahre später kaufte ich mir dann im Basislager einen 3.0er Cam und musste mit Erstaunen feststellen, dass es doch noch besser ging: Mit der neuen Serie hat sich Black Diamond noch einmal selber übertroffen. Die Drahtschlaufe am Griff macht die Dinger nochmal deutlich handlicher und die überarbeiteten Backen wirkten weniger globig und leichter (ich geb's zu, das Aussehen ist eher zweitrangig...). Letztes Jahr in Arco hab ich dann nochmal die gängigsten 4 Größen nachgekauft und hatte dann also insgesamt 5 von der neuen Serie.

 

Heute wollte ich mir für die geplante Begehung der "Luna Nascente" im Mello noch nen 4er Cam dazu holen. Kaum im Geschäft und nur auf die Black Diamonds fixiert kramt Göbse plötzlich den neuen DMM Cam ausm Regal. Zuerst mal sehr skeptisch, wich die Skepsis nach und nach und machte reiner Begeisterung Platz. Hier die Fakten zum 6er Dragon Cam (entspricht Größe 4 bei Black Diamond):

 

Zwei Achsen, verlängerbare Dynema Schlinge

Spannweite: 68 - 114mm (BD: 66 - 114,7)

Gewicht: 276g (BD: 289g)

Preis: 75 Euro (BD: 89 Euro)

Bruchlast: 14kN (BD: 14kN)

 

Bleibt neben den nackten Zahlen noch die wesentlich hübschere Optik (gut, das mag Geschmackssache sein). Vor allem aber der ca. 20% günstigere Preis ist aber ein sehr schlagkräftiges Argument für DMM.

 

Der einzige Wehmutstropfen, den der neue Dragon Cam mitbringt ist die im Vergleich zum BD fehlende Drahtschlaufe am Griff. Diese habe ich bei den C4 Cams sehr zu schätzen gelernt. DMM begründet die Entscheidung damit, dass der Draht die Dynema-Schlinge durchschneiden würde. Außerdem fehlen im DMM Programm (noch) die kleinen Größen 0.3, 0.4 sowie die großen Größen über 4. Die Farbkodierung bei den bestehenden Größen ist im Übrigen die selbe wie bei den BD Camalots.

 

Für mich steht fest, dass derzeit DMM das Zepter um die - entschuldigung - geilsten Friends in den Händen hält. Hier noch ein paar Detailfotos:

 

 

12.06.2010
22:35

Sardinien 2010

Das Sommercamp der JDAV BaWü fand dieses Jahr auf Sardinien statt. Genauer gesagt waren wir 12 Tage lang in Cala Gonone an der Ostküste. Vorneweg sei schon mal gesagt, dass 12 Tage viel zu wenig waren und die Zeit vorbei ging wie im Flug. Dennoch konnten wir jeden Tag klettern und haben einige sehr schöne Gebiete besucht. Weitere Infos zu den Gebieten und eine kleine Auswahl der gekletterten Touren werde ich in den nächsten Tagen auf www.kaktusteam.de veröffentlichen, hier habe ich schon ein mal ein paar der besten Fotos zusammengestellt.

 

Für mich persönlich waren die größten Highlights das hohe Niveau meiner Klettergruppe, welches sich seit Herbst letzten Jahres noch einmal deutlich gesteigert hat und meine erste 7a draussen, die ich im vierten Versuch klettern konnte... Hier nochmal großen Dank an Göbse für den guten Trainingswinter, sowie meine persönlichen Trainer Bene und Schorsch, meine Eltern, meine Freundin, Simon - der immer an mich glaubte und all die anderen Leute, die ich jetzt spontan vergessen habe!

 

 

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